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Fenster Vergleich – Welches Fenster ist das Beste? Julia Maitz spricht im Interview über die Unterschiede: Holzfenster, Alufenster, Kunststofffenster, 2-fach oder 3-fach Verglasung und die aktuellen Trends am Fenster-Markt.

Zur Person: Julia Maitz ist dabei REKORD Fenster Weitendorf und REKORD Fenster Graz in Österreich in zweiter Generation in die Zukunft zu begleiten. Sie ist derzeit für das Marketing zuständig und hat große Pläne für das Familienunternehmen mit rund 60 Mitarbeitern.

Julia Maitz - Fenster-Interview
Julia Maitz – Interview – Welches Fenster ist das Beste?

Holzfenster, Alufenster, Kunststofffenster – Was sind die Unterschiede?

Prinzipiell sind – unabhängig vom Rahmenmaterial – alle Fenster mittlerweile technisch sehr hochwertig und erfüllen alle geforderten Wärme- und Schallschutzwerte.

In Bezug auf Anschaffungskosten ist es so, dass das Kunststofffenster das beste Preis-Leistungsverhältnis aufweist. Das Kunststofffenster ist zudem sehr pflegeleicht und wartungsarm und ist bei unseren Kunden am beliebtesten.

Ein Holzfenster kann bei guter Pflege und wenn es von Zeit zu Zeit saniert und neu lackiert wird sehr alt werden (auch weit über 100 Jahre) das ist grundsätzlich gut möglich, wenn die Holzqualität und Verarbeitung stimmen. Im Übrigen ist die Haltbarkeit eines jeden Fensters von der Pflege und Wartung abhängig.

Holzfenster, Alufenster, Kunststofffenster - Vorteile und Nachteile

FensterartKosten*WartungLebensdauerOptik
Alufenster1200€geringüber 50Jahrebesonders schmale Profile möglich
Holz-Alufenster1000€gering bis mäßigüber 50Jahregehobenes Erscheinungsbild
Holzfenster700€alle 5 bis 10 Jahre ausbessern und streichenüber 50Jahre**gehobenes Erscheinungsbild
Kunststofffenster400€geringweniger als 50Jahre

*Fensterkosten: die angegebenen Kosten dienen zum Vergleich der unterschiedlichen Fenster-Varianten. Je nach Größe, Ausführung und Anbieter können die Preise stark von den angegebenen Werten abweichen. Diese Kosten hier beziehne sich auf doppelflügelige, 3-fach verglaste, ca. 1,5m² große Dreh-Kipp-Fenster; ohne Einbau; inkl. Steuer.

**Abhängig von der Oberflächenbehandlung und von der Wartung kann ein Fenster aus Nadelholz bis zu 100Jahre alt werden und ein Laubholz-Fenster gar bis zu 300Jahre (siehe dazu auch hier).

Wie die Fenster und Glasflächen die Ökobilanz deines Hauses und die Nachhaltigkeit beeinflussen, findest du hier.

Fenster mit 2-fach oder 3-fach Verglasung – Was lohnt sich?

Der preisliche Unterschied von 2-fach zu 3-fach Verglasung im Verhältnis zu den Gesamtbaukosten ist minimal. Rechnet man die Heizkostenersparnis mit ein, so amortisieren sich die Mehrkosten für die 3-fach Verglasung in den meisten Fällen bereits nach ein paar Jahren.

Ich empfehle eine 3-fach Verglasung, da die Vorteile überwiegen: besserer Wärmeschutz und besserer Schallschutz. Wenn beispielsweise beim Glasaufbau die Abstände zwischen den Gläsern unterschiedlich sind, „verfängt“ sich der Schall sozusagen und die Schalldämmwerte werden noch besser.

Schimmelbildung durch 3-fach Verglasung im Altbau? Stimmt das?

Das würde ich nicht so unterschreiben. Im Normalfall ist die Wärmedämmung (der U-Wert) des Fensters schlechter als die der Wand. Die Wand gibt nicht vor, welches Fenster ich einbauen soll. Oftmals ist es vom Verhalten der Bewohnerin oder des Bewohners abhängig, ob sich Kondensat und Schimmel bildet. Der Nutzer muss in jedem Raum aktiv sein Raumklima gestalten. Jeder Raum hat eigene Bedingungen und Anforderungen an Lüftungs- und Heizverhalten. Ein einfaches Hygrometer hilft dabei ein gewisses Gefühl für das Raumklima zu bekommen.

Ich empfehle immer: Lüften, lüften, lüften – und zwar regelmäßig. Besonders im Winter, da trockene Luft leichter zu erwärmen ist als feuchte.

Sanierung alter Fenster

Schimmel Probleme

Bei alten und undichten Fenstern muss nicht oft gelüftet werden. Durch die Undichtheit kommt es „automatisch“ zu regelmäßigen Luft- und Feuchtigkeitsaustausch. Falls dennoch zu viel Feuchtigkeit im Raum ist, beschlagen die kalten Fensterscheiben und die Wände bleiben trocken.

Durch die Sanierung zu dichten und wärmedämmenden Fenstern, werden Heizwärmeverluste stark reduziert, doch auch das Lüftungsverhalten der Bewohner muss sich stark ändern. Denn Luft und Feuchtigkeit werden nicht mehr über Undichtheiten ausgetauscht, es muss von Hand gelüftet werden und zwar sehr oft! Alternativ könnte man auch eine Lüftungsanlage einbauen. Falls zu viel Feuchtigkeit im Raum ist, bildet sich das Kondensat nicht mehr zwingend an den Fensterflächen, sondern an der kältesten Stelle und das kann auch die ungedämmte Außenwand sein. Es kommt zu Feuchtigkeit und Schimmel in der Wand. Damit sich kein Schimmel bildet sollte die Luftfeuchtigkeit 65% nicht übersteigen.

U-Werte von Fenstern und Wänden

Der U-Wert gibt die Wärmedämmfähigkeit eines Bauteiles wieder (genaueres findest du hier und hier). Je geringer der U-Wert ums besser die Dämmeigenschaft. Altbauten aus der Nachkriegszeit haben besonders schlechte Wärmedämmeigenschaften. Hier sollte eine energetische Sanierung der Außenwände und der Fenster durchgeführt werden.

U-Wert: 2-fach verglastes Fenster (Glas und Rahmen)1,3 W/m²K
U-Wert: 3-fach verglastes Fenster (Glas und Rahmen)0,95 W/m²K

U-Wert: Außenwand - ungedämmter Altbau der Nachkriegszeit1,5-1,0* W/m²K
U-Wert: Außenwand - Moderner Neubaurund 0,2 W/m²K

*Außenwände mit solch hohen U-Werten sollten saniert werden.

Mögliche Sanierungsmaßnahmen

Neben dem kompletten Austausch der Fenster gibt es auch noch die Möglichkeit die alten Fenster zu sanieren. Folgende Maßnahmen sind bei alten Holzfenstern möglich:

  • Nachträglicher Einbau von Dichtungsprofilen in alte Holzrahmen. Diese günstige Maßnahme kann bei undichten Fenstern bereits zu einer wirkungsvollen Verbesserung führen.
  • Die bestehende Verglasung gegen eine neue Wärmeschutzverglasung austauschen. Dadurch wird der Wärmeschutz der Glasfläche selbst verbessert. Zu bedenken ist, dass einen neue Isolierverglasung schwerer und dicker ist. Bei großen Glasflächen und dünnen Rahmen wird der Austausch daher nicht möglich sein, oft ist so ein Austausch aber möglich und günstiger als das komplette Fenster auszutauschen.

Was kann man bei der Fenster Planung beachten, um möglichst günstig zu bauen?

  • Einfache Ausführungen bringen eine große Kostenersparnis: z. B. ein Fix oder Dreh-Kipp-Fenster ist günstiger als eine Hebeschiebetüre. Ich würde eine Fixverglasung um die 25-30% günstiger einschätzen, jedoch sehr unpraktisch in der Nutzung. Grundsätzlich gilt: „Ganz öffnen oder schließen“. Der Kipp-Mechanismus ist beim Fenster also nicht dringend nötig. Das einfache Drehflügelfenster ist allerdings nur geringfügig günstiger als ein Dreh-Kipp-Fenster.
  • Mehrere kleinere Fenster sind teurer als weniger größere, denn es werden mehr Handgriffe erforderlich, mehr Material, mehr Logistik etc.
  • Standardfenstergrößen gibt es heutzutage nicht mehr, weshalb hier kein Preisvorteil entsteht.

Wie sollte man die Fenster planen, damit die passive Sonnenenergie ideal genutzt werden kann?

Nach Osten, Süden, Westen ausgerichtete Glasflächen sind dafür von Vorteil. Für die optimale Nutzung der passiven Sonnenergie gibt es spezielle Fenster mit hohem Energiedurchlasswert. Aber auch an eine gute Verschattung ist zu denken, damit es im Sommer nicht zur Überhitzung kommt.

Welche Arten des Sonnenschutzes sind besonders beliebt?

Der Großteil unserer Kunden kauft den Sonnenschutz beim Fensterkauf gleich mit. Raffstore, Rollläden, Markisen und textile Beschattungen sind besonders beliebt, wobei außenliegender Sonnenschutz immer zu bevorzugen ist. Ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis hat nach wie vor die Außenjalousie mit 50mm breiten Lamellen.

Was sind die aktuellen Trends am Fenster-Markt?

Der Trend geht in Richtung Ökologie und Nachhaltigkeit. Das Recycling wird bei allen Materialien immer besser, auch beim Kunststoff-Fenster. So wurden beispielsweise im vergangenen Jahr laut den jüngsten veröffentlichten Zahlen der PVC-Branche 739.525 Tonnen PVC recycelt, wobei der Hauptanteil auf Fensterprofile und verwandte Produkte entfiel.

Das Thema „Smart Home“ ist mittlerweile auch sehr präsent: durch Sensoren werden beispielsweise Heizungen und Klimaanlagen gesteuert oder durch Klimagriffe angezeigt, wann gelüftet werden muss.

Aufgrund des großen Anteils an Glas bei einem Fenster, wirkt sich jede Veränderung in diesem Bereich mindestens doppelt so stark aus wie bei Rahmen oder Flügel. So sind Verbesserungen beim U-Wert durch Vakuumgläser besonders bei den momentan sehr angesagten Panoramascheiben möglich.

 

Vielen Dank für das Interview!

 

Weitere Bauteile

Weitere Infos und Hintergrundwissen zu den Bauteilen beim Einfamilienhaus findest du hier. Darunter die Themen: Dach, Wand, Fundament, Heizung, Kühlung, Photovolatik Anlage, Elektroplanung, Fußbodenaufbau, Dämmstoffe etc.

 

Fotos: pixabay.com und Julia Maitz

 
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