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Wärmepumpen Vergleich: der Heizungs-Experte verrät die Unterschiede in Anschaffungs- und Betriebskosten von Grundwasserwärmepumpe, Erdwärmepumpe und Luftwärmepumpe, sowie die Besonderheiten und Probleme der verschiedenen Arten von Wärmepumpen.

Zur Person: Julian Angermann ist Heizungs-Experte bei www.deine-heizung.de und berät Bauherren und Hauseigentümer zum Thema Wärmepumpen. Deine-Heizung.de ist ein Informations- und Vermittlungsportal, auf dem sich Interessierte rund ums Thema Heizung und energetische Sanierung informieren können. Eigenheimbesitzer können sich außerdem auf Wunsch kostenlos und unverbindlich Angebote von regionalen Handwerkspartnern zukommen lassen.

Die Wärmepumpe ist Deutschlands beliebteste Heizungsart bei Neubauten, warum?

Dies kommt zum einen durch die Vorgaben der Energieeinsparverordnung (EnEV) und zum anderen durch die steigenden Ansprüche an ein modernes umweltfreundliches Heizsystem. Wärmepumpen werden immer leiser, effizienter und bieten im Vergleich zu anderen Heizungen noch folgende Vorteile:

  • Hohe Förderungen möglich – bis zu 45% auf die Bruttoinvestitionskosten der kompletten Heizungsanlage
  • Keine Versorgungs- und Verfügbarkeitsprobleme
  • Einzige Heizung, die auch kühlen kann

Wärmepumpe Kosten

Was sind die die Anschaffungskosten von Wärmepumpen?

Grundwasser-Wärmepumpe Kosten: Eine Wasser/Wasser-Wärmepumpe ist in der Anschaffung die teuerste Variante (ca. 25.000 € inkl. Einbau), da hier sehr viel technisches Zubehör um die Wärmepumpe herum verbaut werden muss. Außerdem müssen zwei Brunnen (Förder- und Schluckbrunnen) errichtet werden und ein gewisser Grundwasserspiegel vorhanden sein.

Erdwärmepumpe Kosten: Die Sole/Wasser-Wärmepumpe (ca. 18.000-25.000 € inkl. Einbau) ist ebenfalls teurer in der Anschaffung als eine Luft/Wasser-Wärmepumpe. Die Energie aus dem Erdreich kann durch unterschiedliche Systeme absorbiert und für die Wärmepumpe nutzbar gemacht werden. Zum einen können Erdkollektoren ca. 1 m unter der Erde verlegt werden (mehr Grundstücksfläche nötig) und zum anderen kann eine Tiefenbohrung durchgeführt werden. Die Tiefbohrung ist genehmigungspflichtig und nicht überall möglich.

Luftwärmepumpe Kosten: Grundsätzlich gilt eine Luft/Wasser-Wärmepumpe als günstigste Variante (ca. 15.000 € inkl. Einbau), da die Wärmequelle leicht erschlossen werden kann – Luft ist unbegrenzt verfügbar und überall einsetzbar.

Die durchschnittliche Lebensdauer einer Wärmepumpe ist bei ordnungsgemäßer Installation und korrekter Dimensionierung ähnlich der von konventionellen Heizungen (15-20 Jahre). Verglichen mit anderen Heizsystemen ist es bei der Wärmepumpe noch wichtiger, dass alle anlagenspezifischen Komponenten von einem Fachmann richtig berechnet und aufeinander abgestimmt werden.

Wie hoch sind die Betriebskosten für Wärmepumpen?

Unter Berücksichtigung des jeweiligen Wirkungsgrades, der Kosten für Wartung und Versicherung, sowie der Stromkosten (zum Wärmepumpen-Stromtarif von etwa 21 Cent/kWh) lassen sich für ein durschnittliches Einfamilienhaus (Neubau) folgende Betriebskosten pro Jahr abschätzen:

  • Grundwasserwärmepumpe: circa 400 € Betriebskosten im Jahr
  • Erdwärmepumpe: circa 450 € Betriebskosten im Jahr
  • Luftwärmepumpe: circa 600 € Betriebskosten im Jahr

Wärmepumpe Vergleichstabelle

 Anschaffungskosten
(über 20Jahre)
BetriebskostenGesamtkosten
Grundwasserwärmepumpe1250€/Jahr400€/Jahr1650€/Jahr
Erdwärmepumpe1100€/Jahr450€/Jahr1550€/Jahr
Luftwärmepumpe750€/Jahr600€/Jahr1350€/Jahr

Anmerkung der Redaktion:

Ist eine Wärmepumpe im Altbau zu empfehlen?

Grundsätzlich würde ich die Wärmepumpe bei keinem Objekt sofort ausschließen. Allerdings muss ein gewisser Dämmstandard am Gebäude und die hygienische Trinkwasserbereitung gewährleistet sein. Oftmals reicht es jedoch schon die Heizflächen der Heizverteilsysteme (Radiotor, FBH, etc.) zu vergrößern, um eine Wärmepumpe effizient in einen Altbau zu integrieren.

In welchen Fällen ist eine Luftwärmepumpe nicht zu empfehlen?

Sobald eine Wärmepumpe für das Objekt eingesetzt werden kann, kann auch eine Luft/Wasser-Wärmepumpe eingesetzt werden. Luftwärmepumpen zur Außenaufstellung sind mittlerweile kaum mehr hörbar und fast überall einsetzbar. Sollten noch strengere Schallvorschriften vorliegen gibt es auch innenaufgestellte Varianten. Somit ist der Schall komplett irrelevant.

Welche Voraussetzungen gibte es für die Grundwasser-Wärmepumpe?

Die Voraussetzungen für eine Wasser/Wasser-Wärmepumpe sind sehr speziell. Grundwasser-Wärmepumpen, bzw. die Erschließung der Wärmequelle über zwei Brunnen ist sehr aufwendig, da die Brunnenbohrungen grundsätzlich genehmigungspflichtig sind, ein gewisser Grundwasserspiegel vorhanden sein und eine bestimmte Wasserqualität vorliegen muss. Der Platzbedarf für eine Grundwasserwärmepumpe beträgt ca. 1,5 m², allerdings muss die Wärmepumpe in der Nähe der Brunnen im Hausinneren aufgestellt werden, um Wärmeverlsute zu vermeiden.

Erdwärmepumpe – Welche Arten gibt es?

Im Prinzip gibt es nur eine Art Erdwärmepumpen. Es gibt allerdings unterschiedliche Systeme, die die Wärme aus dem Erdreich absorbieren (Sondenbohrung, Erdkollektor, Erdwärmekörbe, Grabenkollektor).

Erdsonden: Die Erdsonden sind hierbei am effizientesten, aber auch am teuersten. Außerdem muss für die Tiefenbohrung eine Genehmigung eingeholt werden und der gesamte Aufwand ist vergleichsweise hoch.

Erdkollektoren: Die Erdkollektoren dagegen werden ohne größeren Aufwand dicht unter der Erdoberfläche verlegt. Aus dem Grund ist der Einbau relativ günstig, aber sie arbeiten nicht so effizient wie die Sonden und benötigen eine große Grundstücksfläche.

Erdwärmebörbe: Bei den Erdwärmekörben handelt es sich auch um Kollektoren, die unter der Erde verlegt werden, allerdings etwas tiefer als die einfachen Erdkollektoren. Sie werden deshalb Erdwärmekörbe genannt, da ihre Form der eines Korbes ähnelt und benötigen aufgrund ihres Aufbaus weniger Platz.

Ringgrabenkollektor: Eine weitere Möglichkeit ist der Ringgrabenkollektor, bei dem wie der Name schon sagt, ein Graben ums Haus herum verlegt wird. Er kann auch in kleineren Gärten verlegt werden und die Kosten lassen sich durch Eigenleistung reduzieren.

Welchen Einfluss haben Erdwärmepumpen auf das Erdreich?

Im Heizbetrieb wird dem Boden Wärme entzogen, nur im Kühlbetrieb im Sommer wird Wärme ans Erdreich abgegeben.

Auf einem Erdkollektor zum Beispiel ist es sogar sinnvoll, die Fläche zu bepflanzen (außer mit großen Bäumen), da die Bepflanzung die Durchfeuchtung des Bodens verbessert, sodass mehr Energie im Boden gespeichert werden kann. Von einer Versiegelung der Flächen durch Asphalt oder Bebauung ist allerdings abzuraten, da sonst das Regenwasser nicht in den Boden eindringen kann.

Was sind die aktuellen Trends und zukünftigen Entwicklungen im Bereich Wärmepumpe?

Derzeit sind 2/3 aller verbauten Wärmepumpen Luft/Wasser-Wärmepumpen, der Rest teilt sich auf in Sole/Wasser- und Wasser/Wasser-Wärmepumpen, jedoch werden immer weniger Wasser/Wasser-Wärmepumpen verbaut, da die Grundvoraussetzungen für den Einsatz sehr hoch sind.

Immer häufiger werden Wärmepumpen mit anderen Systemem, wie z. B. PV kombiniert. Die Betreiber möchten dadurch eine größere Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern erreichen und ihr Eigenheim möglichst effizient mit Energie versorgen. Da die Sommermonate immer länger und wärmer werden und die Wärmepumpe das einzige Heizsystem ist, das heizen, kühlen und Brauchwarmwasser bereiten kann, werden auch immer mehr Wärmepumpen mit aktiver oder passiver Kühlung verbaut.

Zukünftig wird die Wärmepumpe immer digitaler und ein Bestandteil eines sich komplett eigenständig regelndes Gebäudesystems sein.

 

Vielen Dank für das Interview!

 

Foto: pixabay.com

 
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