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Wer durch möglichst viel Eigenleistung beim Hausbau sparen will, kommt auch am Thema Ausschreibung nicht vorbei. Soll und kann ich die einzelnen Gewerke selber vergeben? Hier bekommst du Insider-Einblicke in die Einzelvergabe und erfährst mit welchem Aufwand und Risiko zu rechnen ist.

Zur Person: Michaela ist Architektin im Raum Dresden und plant und baut gerade ihr eigenes Haus (@stadt_wald_haus). Im Interview spricht sie über ihren Hausbau und wie die Ausschreibung und Vergabe der einzelnen Gewerke abläuft.

Die Ausschreibung selbst erstellen – was ist dabei zu tun?

Für die Ausschreibung werden alle Leistungen welche erbracht werden müssen genau aufgelistet, das nennt sich dann Leistungsverzeichnis. Hierbei ist es wichtig alle Massen und auch alle notwendigen Arbeiten im jeweiligen Gewerk so detailliert wie möglich zu ermitteln.

Zum Beispiel bei einer Ausschreibung für den Rohbau: muss man zunächst überlegen was alles benötigt wird und was gemacht werden muss und muss dann hierzu die entsprechende Maße ermitteln. Das geht von der Baustelleneinrichtung, über den Bodenaushub, über die Gründung und Bodenplatte bis hin zur Abdichtung und den Wänden und vieles mehr.

Normalerweise erfolgt das mit Hilfe einer entsprechenden Software. Dort sind bereits Vertragstexte und Richtlinien bezüglich der Ausführung hinterlegt. Die einzelnen Beschreibungen der Positionen/Leistungen kann man zum Beispiel über das Standardleistungsbuch Bau (StLBau) beziehen.

Wenn das Leistungsverzeichnis fertig ist, wird es an mehrere Firmen geschickt mit der Bitte um ein Angebot.

Der Vorteil hiervon ist, dass alle Firmen ein identisches Leistungsverzeichnis erhalten und somit die Preise im Idealfall 1:1 verglichen werden können. Ich könnte mir dann also direkt den günstigsten Anbieter auswählen. Kleiner Tipp am Rande: das billigste Angebot muss nicht immer das Beste sein, selbst nicht bei einer genauen Ausschreibung. Viel wichtiger als der Preis sind die Zusammenarbeit mit den Firmen und die Ausführung der Leistung!

Aus welchem Grund hast du dich privat für die Einzelvergabe von Gewerken entschieden?

Der Hauptgrund ist, dass wir uns dadurch einen Preisvorteil erhoffen. Da die Ausschreibung und Vergabe zu meinem Berufsfeld als Architektin gehören, bot es sich an, diese Aufgaben selbst zu übernehmen.

Als Alternative gäbe es die Möglichkeit, alles an einen Generalunternehmer oder Generalübernehmer weiterzugeben und sozusagen schlüsselfertig zu bauen. Man muss aber wissen, dass ein GU natürlich auch etwas daran verdienen möchte. Daher gibt es am Ende immer einen Zuschlag von durchaus 10-20 %. Und das merkt man natürlich an der Endsumme.

Wieviel würde es kosten, die Ausschreibung und Vergabe machen zu lassen?

Eine Summe X kann ich hier nicht nennen da natürlich jeder Architekt mit einem anderen Stundensatz arbeitet und auch die anrechenbaren Kosten eines Baus unterschiedlich sind.

Aber man kann schon mal einen Ansatzpunkt haben indem man sich die HOAI (Honorarverordnung für Architekten und Ingenieure) ansieht. Es gibt insgesamt 9 verschiedene Leistungsphasen. Leistungsphase 6 betrifft die Ausschreibung (mit einem Umfang von 10%) und Leistungsphase 7 die Vergabe inklusive Vertragsgespräche (mit einem Umfang von 4%).

Wenn zum Beispiel die anrechenbaren Kosten (also die Baukosten) 250.000€ betragen würden dann wäre das Honorar für die beiden Leistungsphasen der Ausschreibung und Vergabe rund 5.000€.

Wie lange dauert es bis die Ausschreibung erstellt und alle Gewerke vergeben sind?

Für mich privat zieht sich das sehr in die Länge. Ich mache das neben meiner Arbeitszeit in der Freizeit. Sofern neben den Kindern noch Zeit bleibt versuche ich immer wieder daran zu arbeiten.

Im Büro geht alles etwas schneller. Für EINE Ausschreibung benötigt man in etwa ein bis zwei Tage, je nach Umfang des Projekts. Bis wirklich alle Gewerke ausgeschrieben sind vergehen grob geschätzt mindestens 3-4 Wochen. Im Idealfall wird nach Bauablauf ausgeschrieben: also zunächst die Tiefbauer, dann Rohbau, Estrich, Putzer, Fenster, Tischler und so weiter…

Danach werden den Unternehmen mindestens zwei Wochen Zeit gegeben um ein Angebot abzugeben. Meistens dauert es aber länger. Auch hier sollten rund 3-4 Wochen eingeplant werden.

Dann wird der Preisspiegel erstellt, ein 1:1 Vergleich der verschiedenen Angebote. Und darauf folgen die Gespräche und Nachverhandlungen mit den einzelnen Bietern. Erst DANN endlich kommt es zum Vertragsabschluss. Gut Ding will Weile haben.

Könnte ein Laie eine Einzelausschreibung selbst machen?

Natürlich kann man als Privatperson, einige Zimmermannbetriebe anfragen und anschreiben und um ein Angebot bitten. Das Problem dabei ist, dass sich die Angebote dann nicht eins zu eins vergleichen lassen.

Nehmen wir mal das Beispiel „Dach“: Zimmermann A schlägt eine andere Dachkonstruktion vor als Zimmermann B. Somit unterscheiden sich der Abbund, also die Masse des Holzes welches verbaut wird, es unterscheiden sich die Art und Zahl der Befestigungsteile wie Balkenschuhe, Bolzen, Anker etc. Es gibt eine unterschiedliche Menge an Arbeitsstunden welche nötig sind und so weiter. Am Ende kann das Angebot B wesentlich teurer sein als das Angebot A und ein Laie erkennt nicht mal den Grund dafür. Dann entscheidet er sich womöglich für das billigere Angebot obwohl konstruktiv vielleicht Angebot B besser wäre.

Im Unterschied dazu kann man die Angebote bei einer genauen Leistungsbeschreibung eins zu eins miteinander vergleichen. Es ist ganz genau definiert was, wieviel und in welcher Qualität gewünscht ist.

Als Laie sollte man eine solche Ausschreibung mit genauem Leistungsverzeichnis NICHT selbst machen! Die Gefahr ist groß, dass ein Laie auf Positionen vergisst. Dann werden die Angebote zunächst mal relativ günstig aussehen, aber während der Ausführung kommen dann die teuren Nachträge dazu.

Für kleine und überschaubare Aufträge kann man sich durchaus auch selbst unterschiedliche Angebote holen, aber für große Aufträge fehlt das praktische und theoretische Wissen.

Was ist bei einer Ausschreibung das größte Risiko?

Das größte Risiko ist wohl – wie bereits gesagt – dass jemand ohne entsprechendes Wissen und Erfahrung auf Positionen vergisst. Dann kommt es während der Ausführungsarbeiten zu Nachträgen. Firmen kalkulieren oft sogar mit diesen Fehlern, sie wissen bereits bei der Angebotslegung wie und wo sie sich das Geld – später, während des Baus – wieder hereinholen werden. Somit kann ein zunächst günstiges Angebot am Ende sehr teuer werden.

Es kann auch passieren, dass man etwas Falsches ausschreibt, oder dass man eine falsche Menge ermittelt hat. Auch diese Fehler erzeugen in der Regel Mehrkosten.

Aktuell ist aber auch ein Risiko, dass man beispielsweise fünf Firmen anschreibt und nur zwei Angebote zurückbekommt, wenn überhaupt. Weil die Firmen in der derzeitigen Auftragslage sehr gut ausgelastet sind und sich ihre Aufträge aussuchen können.

Hast du zum Abschluss noch einen Tipp?

Als Architekt einen Tipp zu geben ist gar nicht so einfach. Denn man möchte ja seine Berufssparte aufrecht erhalten 😉

Ich fände es schön, wenn man Architekten und Bauingenieure nicht immer über einen Kamm schert. Nein, wir kaufen uns vom Honorar keinen Porsche. Und nein, so ein Honorar bekommt man nicht monatlich. Das teilt sich auf viele Monate und Mitarbeiter auf. Das nur mal so am Rande 😉

Daher gebe ich den Tipp: Holt euch Hilfe von Menschen die sich mit der Materie „Bau“ auskennen. Versucht nicht immer alles in Eigenregie zu machen. Oft zahlt man nämlich doppelt dafür. Und am Ende ist es teurer als hätte man gleich einen Fachmann dazu gezogen.

Eigenleistung und Muskelhypothek: ja gerne.

Vorplanung, Werkplanung und Ausschreibungen: Fachmann.

 

Vielen Dank für das Interview!

 
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