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Das Massivholzhaus ist ökologisch, flexibel und bietet noch weitere Vorteile. Architekt Schmidtauer verrät Hintergrundinfos zum Massivholzhaus, zum Baustoff Brettsperrholz, gibt Tipps zur Planung und mehr.

Zur Person: Gregor Schmidtauer ist Architekt und Mitbegründer vom Architektur-Büro Greenline Architects, das in Graz und Insbruck ansässig ist. Greenline Architects stehen für ökologische, energieeffiziente und wirtschaftliche Architektur. Sie haben sich auf den Bau von Holzhäusern und auf ökologische Baustoffe spezialisiert und haben u.a. schon einige Einfamilienhäuser in Massivholz-Bauweise ausgeführt.

Architekt Gregor Schmidtauer - Greenline Architects
Architekt Gregor Schmidtauer

Wie kamen Sie zum Massivholzhaus?

Schon während meiner Ausbildung ist mir diese Bauweise sehr interessant erschienen. Denn durch Massivholz-Platten bieten sich einfach sehr viele gestalterische Möglichkeiten.

Eines meiner ersten Projekte war dann auch gleich ein Massivholzhaus, das ich gemeinsam mit einem Zimmerer aus der Nähe umsetzte. Seitdem arbeite ich immer wieder mit diesem Zimmerer zusammen. Auch er hat sich auf das Arbeiten mit Massivholz-Platten spezialisiert. Und wir haben durchwegs positive Erfahrungen mit dieser Bauweise gemacht.

Wandaufbau Massivholzhaus

Wie sieht ein typischer Wandaufbau bei einem Ihrer Massivholzhäuser aus?

Die Massivholz-Platten für die Wände sind typischerweise aus Brettsperrholz (BBS) und in etwa 10cm stark.

Auch die Decken sind aus dem gleichen Material, diese sind je nach Spannweite grundsätzlich etwas dicker als die Wände, häufig kommen sie auf rund 14cm. Selbst die Dachkonstruktionen und Innenwände können aus Brettsperrholz-Elementen ausgeführt werden.

Wand-Außenseite:

  • Typischerweise kommen an die Außenseite zunächst Stegträger kombiniert mit einer eine Zellulosedämmung (meistens 20-24cm)
  • Darauf kommt eine 4-6cm dicke Weichfaserplatte.
  • Diese Platte kann nun entweder direkt verputzt oder für eine Holzfassade mit einer Holzschalung versehen werden.

Wand-Innenseite:

  • Hier bietet sich die Möglichkeit an, gewisse Wände komplett unbehandelt als Sichtholz zu belassen. Es ist dann keinerlei Oberflächenbehandlung nötig. Installationen werden dann am besten auf der Wandaußenseite in der äußeren Dämmebene geführt.
  • Andere Bereiche können ganz klassisch mit Gipskarton beplankt werden.
  • Alternativ zum Gipskarton kann direkt an die Holzwand eine Schilfmatte angebracht werden, die als Putzgrund für einen Lehmputz dient.

Bei diesem Wandaufbau gibt es keine großflächigen Kunststofffolien oder andere zusätzlichen dichte Schichten. Lediglich die Durchdringungen im Bereich von Fenstern, Türen oder Installationen müssen Luftdicht abgedichtet werden.

Das ist mit ein Grund, warum das System so sympathisch ist. Großflächige Dampfbremsen und Folien fallen weg. Auch die Zimmerei kann leichter gewährleisten, dass die Brettsperrholz-Bauweise gut funktioniert. Der Holzriegelbau in dem großflächig dichte Schichten eingebaut werden müssen ist da fehleranfälliger.

Brettsperrholz Bauweise
Brettsperrholz Bauweise

Brettsperrholz, unverleimte Massivholzplatten, Blockhaus im Vergleich

Welche unterschiedlichen Möglichkeiten für Massivholzhäuser gibt es?

Brettsperrholz

Die gängigste Variante ist Brettsperrholz, da diese Platten einfach am kosteneffizientesten sind.

Hier werden einzelne Holzbretter in mehreren Schichten kreuzweise miteinander verleimt. Die Vorteile sind, dass Brettsperrholz durch die kreuzweise Verleimung eine gute Tragfähigkeit in alle Richtungen aufweist; kaum Formänderung durch Luftfeuchteschwankungen entstehen (Quellen und Schwinden) und diese Platten relativ günstig sind.

Als Holzart kommt standardmäßig Fichte zum Einsatz. Gegen einen Aufpreis kann man die äußere Schicht – die man sieht – mit verschiedenen Holzart machen lassen. Das ist allerdings eher unüblich. Die gängigen heimischen Werke produzieren Brettsperrholz-Platten hierzulande und verarbeiten auch heimisches Holz dafür.

Unverleimte Massivholz-Platte

Alternativ dazu gibt es auch Massivholz-Platten die gänzlich ohne Leim auskommen. Dabei werden die Bretter ebenfalls kreuzweise miteinander verbunden, aber eben über Holz- oder Metalldübel anstelle von Leim.

Die unverleimten Platten sind ökologisch interessant aber um einiges teurer als die verleimte Variante. So entscheiden sich in der Praxis die meisten Bauherren und -Frauen dann doch für Brettsperrholz.

Holz-Blockhaus

Das klassische Holz-Blockhaus wird heute eher seltener gemacht. Es hat konstruktiv einige Nachteile. Im Unterschied zum kreuzweisen Verband wie beim Brettsperrholz bewegt sich eine Blockhaus-Wand relativ viel infolge von Quellen und Schwinden (Luftfeuchteschwankungen). Konstruktive Details wie zum Beispiel die Fensteranschlüsse müssen sehr genau geplant und auch ausgeführt werden, damit es zu keinen Problemen kommt.

Brettstapel-Elemente

Die Brettstapel-Wand ist eher ein Exot unter den Massivholz-Wänden, in der Praxis findet man sie selten.

Beim Brettstapel-Element handelt es sich um längs aneinander gestapelte Bretter die über Leim-, Holz- oder Metall-Nägel miteinander sind. Ihre aussteifende Wirkung in Scheibenrichtung ist im Vergleich zum kreuzweisen Verband eher gering.

Vernagelte und verdübelte Brettstapel-Elemente sind außerdem nicht luftdicht. Durch die Formänderungen aus Luftfeuchteschwankungen (Quellen und Schwinden) entstehen zwischen den Brettern kleine Fugen. Eine zusätzliche Dampfbremse ist daher nötig und auch für ausreichend Schallschutz muss gesorgt werden.

Schadstoffe im Massivholzhaus

Ist der Leim in Brettsperrholz-Platten problematisch für die Wohngesundheit?

Das ist ein diffiziles Thema und hat viel mit der persönlichen Einstellung zu tun. Jeder muss für sich selbst entscheiden ob er lieber komplett auf Leime und dergleichen verzichtet, oder den Messergebnissen und Richtlinien vertrauen will. Genau sagen dann das wohl niemand.

Wer komplett auf Leime verzichten will sollte sich auch sehr genaue Gedanken zu seiner Einrichtung machen. Denn der größte Schadstoffeintrag in der Wohnung kommt meist durch die Möbel. Über Spanplatten und Lacke zum Beispiel kommen jede Menge Ausdünstungen zusammen.

Auch im Vergleich mit andern Bauweisen schneidet die Brettsperrholz-Platte nicht schlecht ab. Im herkömmlichen Holzriegelbau zum Beispiel kommen OSB-Platten zum Einsatz die eine wesentlich höheren Leimanteil aufweisen.

Ich persönlich glaube, dass die Verleimung unbedenklich ist. Die Richtlinien sind relativ streng und die Messungen besagen, dass die eingesetzten Platten unbedenklich sind.

Sind sonstige Holzschutzmittel nötig?

Das Holz kann komplett natürlich und unbehandelt bleiben. Im Inneren braucht es ohnehin keinen Holzschutz und außen reicht die Fassade als Schutz vollkommen aus.

Auch eine Holzfassade zum Beispiel aus Lärche kann komplett unbehandelt bleiben. Das ist dann eher ein ästhetisches Thema: manchen Bauleuten gefällt ein natürlich vergrautes Holz, andere finden das hässlich. Wer mit natürlich vergrauten Holz nicht leben kann und will, sollte sich besser für eine andere Fassade entscheiden anderenfalls muss regelmäßig gestrichen werden. Das ist einerseits ökologisch nicht so toll und außerdem auch aufwändig.

Massivholz vs. Holzriegel-Bauweise

Welche Vor- und Nachteile sehen sie im Unterschied zur klassischen Holzriegelbauweise?

  • Beim Brettsperrholz habe ich Rauminnenseitig eine massive und tragfähige Holzwand. Da kann ich ohne Probleme Nägel einschlagen, Sachen befestigen und Schränke aufhängen. Das ist für die Nutzung natürlich sehr angenehm.
  • Die Massivholz-Bauweise ist im Vergleich sehr flexibel. Nachträgliche Änderungen und zusätzliche Öffnungen könnte man theoretisch ohne Probleme einfach hineinschneiden. Bei Brettsperrholz-Wänden und -Decken ist da grundsätzlich sehr viel möglich.
  • Die Brettsperrholz-Wand benötigt keine zusätzlichen Dampfbremsen oder andere Folien. Das ist ökologisch günstig und auch weniger anfällig für Fehler und Lecks in der Luftdichtheit.
  • Preislich unterschieden sich diese Beiden Bauweisen kaum. Der Preis hängt zwar immer von der jeweiligen Zimmerei ab, dürfte unterm Strich aber in etwa gleich sein. Bei einem unserer Projekte, habe ich sowohl Angebote für eine Brettsperrholz-Ausführung als auch für eine Holzriegel-Ausführung eingeholt. In diesem Fall war das Brettsperrholz-Angebot günstiger. In anderen Fällen mag es auch mal umgekehrt sein.
Massivholzhaus
Massivholzhaus – Innenseitig unbehandeltes Sichtholz

Vorgehensweise und Umsetzung

Was sind die Schritte zur Umsetzung eines Massivholzhauses?

  1. Es macht Sinn im Vorfeld mal zum Architekten/zur Architektin zu gehen und gemeinsam das Raumkonzept zu planen.
  2. Nun sucht man sich eine Zimmerei die das Projekt umsetzen kann. Da gibt es unterschiedlich spezialisierte Zimmereien. Manche bauen bevorzugt mit Holzriegelbauweise, andere haben sich auf Brettsperrholz spezialisiert und manche bieten beides an. Das können übrigens durchaus kleinere, lokale Zimmereinen sein, denn die Zimmerei braucht selbst nicht viel eigenes Personal.
  3. Das Haus wird gemeinsam mit der Zimmerei ausgearbeitet und die Elemente beim Brettsperrholz-Werk bestellt. Nach dem das Holzhaus zurzeit sehr boomt, gibt es bereits einige solcher Werke in ganz Österreich und es werden laufend neue Werke gebaut. Es ist sogar so, dass in Österreich produzierte Brettsperrholz-Elemente in andere Länder (zum Beispiel nach Großbritannien oder Norwegen) exportiert werden und dort teils sogar von unseren heimischen Zimmereien ausgeführt werden.
  4. Die Elemente werden im Werk vorgefertigt, gefräst, auf den LKW geladen, auf die Baustelle geliefert und dort versetzt.
  5. Die Zimmerei übernimmt das Koordinieren, das Zusammenschrauben und die ganzen Arbeiten rundum. Das kann eine kleinere Zimmerei ohne Probleme selbst ausführen.

Massivholzhaus als Passivhaus

Raten Sie zur Ausführung als Passivhaus?

Die Brettsperrholz-Bauweise eignet sich prinzipiell jedenfalls für ein Passivhaus.

Ich habe einen Kurs dazu besucht und bin also auch Passivhaus-Planer. Dennoch bin ich persönlich nicht so der Verfechter vom Passivhaus.

Der Ursprungsgedanke vom Passivhaus war ja, dass der Heizwärmebedarf dermaßen gering ist, dass fast keine Heizung gebraucht wird und das Haus rein über die Lüftungsanlage beheizt wird.

Nun hat sich aber herausgestellt, dass dieses Konzept so am Limit ist, dass es sehr schnell unbehaglich wird. Zum Beispiel schon dann, wenn einfach nur normal gelüftet wird. Aus diesem Grund trauen sich viele Bauherr*innen nicht auf ein zusätzliches Heizsystem zu verzichten und bauen aus Sicherheit trotzdem eine Fußbodenheizung oder ein anderes zusätzliches Heizungssystem ein. Damit ist der Kostenvorteil dahin und es ist eigentlich egal ob ich mich genau an die Passivhaus-Grenzwerte halte oder nicht.

Der Gedanke vom Passivhaus hat sich damit relativiert. Ich würde eher schauen, dass das Haus zwar gut gedämmt wird, aber nicht zwingend auf Passivhaus-Niveau. Dämmstärken von 20-25cm bei den Wänden halte ich für durchaus ausreichend.

Auch hat sich hinsichtlich der Wohnraumlüftung mittlerweile herausgestellt, dass hier der größte Vorteil in der Sicherstellung einer hohen Luftqualität liegt. Der Aspekt der Energieeinsparung ist in der Praxis deutlich geringer. Bei Ausrichtung und Dimensionierung der Fenster sollte man natürlich versuchen, optimale Solaren Gewinne zu erzielen und hierbei auch gleich die Beschattung / sommerliche Überhitzung mitdenken. Aber anstatt strikt auf Passivhaus-Grenzwerte würde ich dann mehr auf eine ökologische Materialwahl achten, weil den etwas höheren Energiebedarf kann man beispielsweise bei Wärmepumpen-Heizungen über eine PV-Anlage wieder mehr als ausgleichen.

Weitere Tipps fürs Massivholzhaus

Haben Sie zum Schluss noch persönliche Tipps für alle die ein Massivholzhaus planen?

  • Selbst mit anpacken

Der große Vorteil beim Massivholzhaus ist, dass der Rohbau aus den Massivholz-Elementen relativ schnell steht. Und dann besteht natürlich die Möglichkeit selbst mitzuarbeiten. Zum Beispiel kann die Dämmung außen oder auch der Innenausbau in Eigenregie gemacht werden. Das ist bei dieser Bauweise recht gut möglich.

  • Gestalterische Möglichkeiten nutzen

Bei Brettsperrholz-Häusern finde ich es sehr schön, dass man sich gut aussuchen kann, welche Innenwände in Holz bleiben und welche verputzt werden. Da die Holzwand ohnehin immer da ist, bieten sich gestalterisch viele Freiheiten ohne Zusatzkosten.

 

Vielen Dank für das sehr informative Interview!

 

Fotos: Gregor Schmidtauer (Greenline Architects)

 
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