4
Shares
Pinterest Google+

Was ist Smart Home und Hausautomatisierung? Was kann ein intelligentes Haus, was wird in Zukunft möglich sein und wieviel kostet ein Smart Home? Janina und Christian (Häuslebauer und Informatiker) verraten hier die wichtigsten Eckpunkte und berichten wie es sich im smarten Haus lebt.

Janina und Christian haben sich für ein Smart Home entschieden. Sie haben 2017/2018 gebaut und leben seit Mitte März 2018 im neuen smarten Haus. Christian – der selbst Informatiker ist – hat die gesamte Hausautomation mit KNX geplant und programmiert. Seither testen sie die Lösungen im alltäglichen Leben und verbessern diese laufend – lest hier ihren Erfahrungsbericht. Ihren Hausbau haben sie auf dem Instagram-Account @haus_nummer_sieben dokumentiert.

– Warum habt ihr euch für ein Smart Home entschieden?

Für Christian war es aufgrund seines Fachgebiets von Anfang an klar, dass wenn wir ein Haus bauen, dieses möglichst „smart“ gemacht werden soll oder zumindest soweit vorbereitet, dass es im Nachgang relativ einfach um neue Funktionen erweitert werden kann. Janina war anfangs skeptisch, insbesondere was die Sicherheit der ganzen Funktionen angeht. Schließlich möchte man nicht, dass das Haus „abstürzt“ oder von fremden gehackt bzw. gekapert wird.

Letztendlich konnten Janinas Sicherheitsbedenken ausgeräumt werden und zum anderen stellt eine moderne Elektroinstallation eine Investition in die Zukunft dar. Natürlich weiß man noch nicht, wie wir in ein paar Jahren Häuser bauen werden, aber der Trend geht ganz klar in Richtung Smart Home und Automatisierung / Unterstützung im Alltag durch das Haus. Von einem cleveren Haus versprechen wir uns so einerseits eine Erleichterung im Alltag und andererseits einen höheren Wiederverkaufswert, sollten wir das Haus zu einem späteren Zeitpunkt verkaufen wollen.

– Welche Möglichkeiten bietet ein Smart Home (intelligentes Haus) im Unterschied zu einer herkömmlichen Elektroinstallation?

Der wohl größte Vorteil eines Smart Homes ist der der Flexibilität. Während bei einer klassischen Elektroinstallation die Funktion eines Lichtschalters und die damit zu steuernde Lampe bereits im Rohbau festgelegt ist, kann durch ein System auf KNX Basis die Zuordnung zu jeder Zeit geändert werden. Dadurch kann sich das Haus an sich ändernde Umstände anpassen oder sogar Dinge ermöglichen, die man noch nicht von Beginn an realisieren konnte. Z.B. die Steuerung der Beleuchtung im Garten.

Ein weiterer Vorteil ist der der Automatisierung. Licht kann in Abhängigkeit von Präsenz vollautomatisiert ein- und ausgeschaltet werden, so dass ein manuelles Einschalten von Licht gar nicht mehr erforderlich ist. Diesen Vorteil nutzen wir bereits jetzt und wollen auf den dadurch entstehenden Komfort nicht mehr verzichten. Vielmehr finden wir es schade, dass wir dies aktuell noch nicht in jedem Raum aktiviert haben. Neben Licht kann sich das Haus aber auch um eine automatische Beschattung mittels elektrischer Rollos in Abhängigkeit von Helligkeit, Wetterlage und Präsenz kümmern.

– Worin seht ihr Entwicklungspotentiale für die Zukunft? Was wird eventuell in Zukunft mit einem Smart Home möglich sein?

Insbesondere für KNX sehe ich hier noch das Potential, die Einrichtung und Installation für Laien zu vereinfachen. Allgemein wird in naher Zukunft der bereits anhaltende Trend, persönliche Assistenten in sein Leben zu integrieren, noch stärker auf das Haus übertragen. Dadurch kann das Eigenheim im Zukunft noch besser per Sprache mittels Alexa, Siri oder einem anderen Assistenten der Wahl gesteuert werden. In der Zukunft wird der Aspekt der Energieeffizienz vermutlich an Bedeutung gewinnen. Verbräuche können analysiert und Vorschläge zur Optimierung gemacht werden, um so längerfristig Strom zu sparen. Ebenfalls wird der Aspekt der Sicherheit in Zukunft stärker involviert werden (z.B. Einbruchsschutz), so dass der Besitzer ständig über die Vorkommnisse in seinem Haus im Bilde ist. Auch das Absetzen eines Notrufes im Falle von ungewöhnlichem Verhalten wäre denkbar. Generell wird es noch mehr Erleichterungen für den Alltag geben, was ein Smart Home auch für ältere Menschen interessant macht.

– Ganz einfach für Laien erklärt – was ist Smart Home und wie funktioniert es?

Für ein Smart Home kann man derzeit aus relativ vielen Lösungen / Anbietern wählen. Da wären: KNX, Loxone, Homematic, EnOcean, um nur ein paar zu nennen.

Jede Lösung hat ihre Vor- und Nachteile. Manche basieren auf Funk und sind so ideale Kandidaten für eine spätere Nachrüstung, andere werden mittels Kabel idealerweise in einen Neubau beim Rohbau integriert. Wir haben uns für KNX entschieden, da es ein Herstellerunabhängiger Standard ist somit von vielen bekannten Herstellern (z.B. Gira, Busch-Jäger, Merten, MDT) unterstützt wird. Dadurch versprechen wir uns, dass wir auch in 20 Jahren noch Komponenten kaufen und unser Haus erweitern können. Weiterhin gibt es bei KNX keine zentrale Logikkomponente, deren Ausfall das komplette Haus lahm legt.

Grundsätzlich funktionieren die Lösungen so, dass „Aktoren“ die Ansteuerung der diversen elektrischen Komponenten übernehmen (z.B. ein Licht ein- oder ausschalten) und über „Taster“, einem modernen Lichtschalter, angesteuert werden. Optional kann eine zentrale Steuereinheit für zusätzliche Möglichkeiten sorgen, wie z.B. die Steuerung per App im WLAN oder von Unterwegs.

– Wer plant und programmiert die Hausautomation?

Für die Planung von KNX-basierten Installationen können manche Elektriker die Installation und Konfiguration übernehmen oder man macht sich selbst dazu Gedanken. Empfehlen kann ich hier das Buch Heimautomation mit KNX, DALI, 1-Wire und Co von Stefan Heinle, aus dem ich viele nützliche Tipps und Ideen bezogen habe. Für Loxone gibt es diverse Händler und Showrooms, die einen dahingehend beraten und das Haus zusammen konfigurieren.

– Ganz grob geschätzt: mit welchen Mehrkosten muss man für ein Smart Home im Vergleich zu einer klassischen Elektroinstallation rechnen?

Schätzungsweise muss mit Mehrkosten im Bereich von 10.000 – 15.000 € gerechnet werden (im Neubau). Eine detailliertere Aufstellung der Mehrkosten kann dem Feed im Instagram-Account @haus_nummer_sieben entnommen werden.

– Ihr wohnt nun seit rund zwei Monaten im Smart Haus, wie lebt es sich und was sind eure Erfahrungen?

Erstaunlicherweise gewöhnt man sich sehr schnell an den gewonnenen Komfort. So vergisst Janina es sehr häufig, dass Licht in den Räumen auszuschalten, welche noch nicht über eine automatische Lichtsteuerung verfügen.

Das Haus passt sich immer mehr unseren Bedürfnissen an, da wir im Nachgang weitere Funktionen hinzufügen oder bestehende Programmierungen ändern können. Es ist einfach praktisch die Möglichkeit zu haben, gewisse Funktionen den eigenen Wünschen anzupassen. Z.B. haben wir heute eine Funktion „Sonnenschutz“ auf unseren Taster im Wohnzimmer gelegt, mit der sämtliche Rolladen auf der Sonnenseite auf die gewünschten Positionen gefahren werden.

Unsere Erfahrungen mit KNX sind durchweg positiv. Alles funktionierte von Anfang an und machte auch im Betrieb keine Schwierigkeiten. Daher können wir nur jedem raten, sich früh und rechtzeitig mit dem Thema Smart Home zu beschäftigen und es bei neuen Projekten von Anfang an zu integrieren.

Vielen Dank für das Interview!

 

Foto: pixabay.com

1 Kommentar

  1. 2018-09-13 in 21:23 — Antworten

    Das ist ein interessantes Interview! Das deckt sich auch etwa so mit unseren Plänen. Das Buch über Smart Home, welches ihr oben im Beitrag verlinkt habt, haben wir uns als eBook zugelegt und der Bauherr ist gerade fleißig am Lesen. Im Blog und auf Instagram berichten wir dann über unsere Fortschritte.

Hinterlasse ein Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.