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Dach – Arten, Kosten, Aufbau und Konstruktion: beim Hausdach gibt es viele Möglichkeiten. Hier erhältst du Hintergrundwissen zum Kaltdach, Warmdach und Umkehrdach; zur Dachdeckung, den verschiedenen Dachformen und den Dachkosten beim Neubau.

Beim Hausdach gibt es zunächst mal die offensichtlichen Unterschiede wie die Dachform und die Dachdeckung. Daneben gibt es aber auch noch weitere prinzipielle Unterschiede von Dächern und zwar der Aufbau eines Daches. Es kann für  das Raumklima zB. einen wesentlichen Unterschied machen ob ihr ein Kaltdach, Warmdach oder Umkehrdach habt; ob das Dach ausgebaut ist oder nicht.

Dachaufbau Kaltdach

Ein Kaltdach ist nichts anderes als ein belüftetes Dach. Das bedeutet, dass es zwischen der Wärmedämmungsebene und der Dachhaut eine Luftschicht gibt. Diese Luftschicht hat den Vorteil, dass Feuchtigkeit abtransportiert werden kann. Auch gegen die sommerliche Überhitzung hilft die Luftschicht eines Kaltdaches.

Damit die Durchlüftung gut funktioniert, sind im Traufen- und Firstbereich Öffnungen vorhanden. Ein Kaltdach kann sowohl bei einem unausgebauten als auch bei einem ausgebauten Dach vorhanden sein.

Dachaufbau Kaltdach
Dachaufbau Kaltdach

Unausgebautes Dach

Beim unausgebauten Dach wird der Boden des Dachraums wärmegedämmt. Der ganze darüberliegende Raum ist unbeheizt und wird von der Außenluft durchströmt. Dies ist die traditionelle Ausführung die seit Jahrhunderten gebaut wird.

Das unausgebaute Kaltdach ist relativ unkritisch. Selbst größere Mengen an Feuchtigkeit können durch die große Luftmasse abtransportiert werden und auch hohe Temperaturspitzen können abgepuffert werden.

Ausgebautes Dach

Durch die hohen Baukosten ist es heute üblich das gesamte Hausvolumen zu nutzen. Dadurch werden neue Häuser heute meist mit ausgebautem Dach errichtet. Und auch bei Altbauten werden Dachböden nachträglich ausgebaut.

Beim ausgebauten Kaltdach gibt es ebenfalls eine Luftschicht zwischen der Wärmedämmung und der Dachhaut. Allerdings ist diese Luftschicht hier nur wenige cm dick. Dadurch wird die ganze Konstruktion etwas fehleranfälliger; die Konstruktionsprinzipien sind genau einzuhalten.

Wichtige Punkte für ein funktionierendes ausgebautes Kaltdach:

  • An Traufe und First müssen Lüftungsöffungen sein. Wasser darf jedoch nicht eindringen und auch ein Insektenschutzgitter soll vorhanden sein.
  • Die Luftschicht muss von unten nach oben ungestört durchströmt werden können. Eine Wärmedämmung aus Mineralwolle kann bis zu 30% aufgehen und somit nachträglich und unbemerkt den Luftraum verstopfen. Je nach Dachneigung muss die Luftschicht eine Mindestdicke aufweisen:
    • Flachdächer bis 5° 20cm Luftraum
    • Flach geneigte Dächer 5°-40° 10cm Luftraum
    • Steildächer über 40° 5cm Luftraum
  • Ist der Luftraum zu eng bemessen, funktioniert die Durchlüftung nicht mehr so gut. Als Folge kann das Dach weniger schnell austrocknen und es bleibt länger feucht. Dadurch können die Holzbauteile faulen und es können sich Ablagerungen von Moosen und Algen auf dem Dach bilden.
  • Eine Dampfsperre zum untenliegenden Raum hin ist wichtig. Damit so wenig Wasserdampf wie möglich nach oben steigt.
  • Die Temperaturspitzen im Sommer können durch die sehr dünne Luftschicht alleine nicht so gut abtransportiert werden. Die Wärmedämmung sollte daher in der Lage sein auch Temperaturspitzen abzuhalten.

Dachaufbau Warmdach

Wenn es keinen Luftraum zwischen der Wärmedämmung und der Dachhaut gibt, so spricht man von einem Warmdach. Die Dachhaut liegt dann direkt auf der Wärmedämmung auf. Diese Dachart hat also keine Möglichkeit Feuchtigkeit und Temperaturspirtzen über eine Luftschicht abzutransportieren und ist somit im Nachteil gegenüber dem Kaltdach. Eine komplett dichte Dampfsperre an der Innenseite der Dämmung ist unumgänglich. Das Kaltdach ist bauphysikalisch die bessere und sichere Variante.

Dachaufbau Warmdach
Dachaufbau Warmdach

Bei Flachdächern oder Dächern mit sehr geringer Neigung werden dennoch oft Warmdächer ausgeführt. Die Nachteile sind jedoch zu bedenken:

  • Sommerliches Aufheizen
  • Kleine Fehlstellen können böse Folgen haben. Es ist auf eine genaue Ausführung mit Bauüberwachung zu achten, denn:
    • Ist die Dachhaut an einer Stelle undicht, kommt Nässe von außen in die Dämmschicht, die nicht oder nur schwer wieder abtransportiert werden kann.
    • Ist die Dampfsperre im Inneren an einer Stelle undicht, so kommt ebenfalls Feuchtigkeit in die Dämmschicht, die nicht so recht abtransportiert werden kann.

Dachaufbau Umkehrdach

Das Umkehrdach ist ebenfalls eine Art von Warmdach. Es gibt keine Luftschicht in dieser Konstruktion. Hier liegt die Dachhaut allerdings unter der Wärmedämmung. Die Wärmedämmung muss aus speziellen Materialien bestehen, die kein Wasser aufnehmen können (zB. XPS mit Stufenfalz. Das Umkehrdach wird für Flachdächer verwendet die mit Kies, Gehwegen oder Begrünung gedeckt sind.

Dachaufbau Umkehrdach
Dachaufbau Umkehrdach

Dachdeckung

Dachdeckung für jede Dachneigung

Je steiler das Dach, desto besser wird Wasser abgeführt. Daher können bei steilen Dächern eine Vielzahl an Dacheindeckungen gewählt werden. Bei einem flachen Dach werden die Anforderungen an die Dachdeckung größer und es stehen nicht mehr alle Varianten zur Auswahl.

Dachneigung bis 15° Dachbahnen- und Pappdeckung, Metalldeckung
Dachneigung 15° bis 30°Dachbahnen- und Pappdeckung, Metalldeckung, spezielle Ziegeldeckung, Betondachstein, Glasdach
Dachneigung ab 30°Dachbahnen- und Pappdeckung, Metalldeckung, Ziegeldeckung, Betondachstein, Glasdach, Schieferdeckung

Dachdeckung Kosten pro m2

Die Dachdeckung inklusive Material und Lohn beträgt rund 100€/m². Bei einer Ausführungen mit Ziegeln oder gar Schiefer kann es teuerer werden.

Wellblech, Trapezprofil*ab 40€/m²
Bitumenschindeln, Faserzementschindeln, Betondachsteine*ab 50€/m²
Falzziegel*ab 70€/m²
Biberschwanzziegel*ab 80€/m²
Schieferdeckung*ab 130€/m²

*Alle Preise beziehen sich auf die Material- und Arbeitskosten.

Verschiedenen Dachformen – Vor- und Nachteile

Die Dachform beeinflusst das Erscheinungsbild eines jeden Hauses. Aber die meisten Bauherren werden sich die Dachform ihres Hauses nicht frei auswählen können. Im Bebauungsplan werden oft die Dachform, die Neigungen und sogar die Farbe der Eindeckung bereits vorgeschrieben. Unter Umständen können Ausnahmen beschlossen werden.

Wichtig für die Entscheidung der Dachneigung sind neben den gesetzlichen Vorschriften und dem äußeren Erscheinungsbild auch noch die verwendeten Dachdeckungsmaterialien, die klimatischen Verhältnisse und der Verwendungszweck des Dachraumes.

Verschiedene Dachformen
Dachformen: Flachdach, Pultdach, Satteldach, Walmdach, Mansarddach, Krüppelwalmdach

Flachdach

Auch ein Flachdach hat ein Gefälle, damit der Regen abfließen kann. Das liegt zwischen 3° und 5°. Entweder hat bereits die Tragschicht dieses Gefälle oder es kann auch durch geneigte Dämmplatten, Schüttungen oder einen Estrich erzeugt werden.

Beim Flachdach unterscheidet man schwere und leichte Dachkonstruktionen. Die schweren Konstruktionen sind aus Stahlbeton, die leichten sind Holzkonstruktionen oder aus Trapezblech. Eine schwere Konstruktion hat den großen Vorteil, dass es im Sommer wesentlich angenehmer und kühler im Raum ist. Die Wärme wird in dem Betondach länger gespeichert und nur langsam wieder abgegeben. Innen bleibt es kühl.

Ein Flachdach ist besonders sorgfältig abzudichten. Der Dachrand und dessen Abdichtung ist dabei besonders aufwändig. Einfache rechteckige Grundrisse sind also dementsprechend günstiger.

Das Umkehrdach hat den Vorteil, dass die Dachhaut unter der Wärmedämmung liegt und somit vor großen Temperaturdifferenzen und der direkten Sonne geschützt ist. Dadurch ist die Dachhaut länger haltbar und das Risiko einer Beschädigung reduziert sich.

Pultdach

Das Pultdach besteht nur aus einer einzigen schrägen Dachfläche und wird daher manchmal auch halbes Satteldach genannt. Dies ist die einfachste schräge Dachform und dementsprechend auch günstig im Vergleich zu anderen Dachformen. Bei kleinen Dächern können einfache Pfetten von einer Wand zur anderen gelegt werden. Dies ist besonders einfach und günstig.

Satteldach

Das Satteldach ist der Klassiker unter den Dächern. Diese Dachform ist einerseits relativ einfach und günstig, andererseits eignet sich diese Dachform auch ausgezeichnet für ausgebaute Dachräume. Eine Gaube kann die Wohnfläche im Dachraum noch vergrößern und verbessern, schlägt sich allerdings im Budget nieder. Je nach Spannweite und unterscheiden sich die folgenden Konstruktionen.

Walmdach und Krüppelwalmdach

Das Walmdach ist in der Herstellung und Dachdeckung etwas aufwendiger als das Satteldach und somit auch etwas teurer. Eine Spezialform des Walmdaches ist das Zeltdach, bei dem es keinen Dachfirst gibt, sondern alle 4 schrägen Dachschrägen in einer Spitze zusammenlaufen.

Das Krüppel- oder Schopfwalmdach ist eine Kombination aus Walm- und Satteldach. Auch diese Dachform ist häufig anzutreffen.

Um Mindestabstände zu Nachbarsgrundstücken nach der Bauordnung einzuhalten und optimal auszunutzen, kann ein Krüppelwalmdach oder ein Walmdach geplant werden. Die einzuhaltenden Mindestabstände bemessen sich in der Regel nämlich nach der Wandhöhe. Dachschrägen müssen je nach Steigung nicht voll oder gar nicht eingerechnet werden. Dächer bis 45° sind häufig gar nicht zu berücksichtigen.

Dach Kosten pro m2 – Neubau

Die Kosten für ein Dach pro m2 im Neubau liegen in Summe bei rund 200-300€/m².

Gesamtes Dach - Neubau rund 200-300€/m²
Dachstuhl mit Schalung (einfache Ausführung mit Nadelholz)rund 100€/m²
Dämmung, Schalung, Dachdeckungrund 150-200€/m²

Die folgenden Punkte beeinflussen die Dach Kosten:

Dachform

Grundsätzlich gilt: je einfacher die Dachform desto günstiger ist das Dach. Daher sind Satteldach, Pultdach oder Falchdach günstiger als andere Dachformen. Kehlen, Grate, Erker, Vorsprünge, Dachfenster oder Gauben erhöhen den Preis.

Materialien

Natürlich sind auch die verwendeten Hölzer, der Dachaufbau und die Dachdeckung selbst maßgeblich für den Preis.

Dachkonstruktionen

Auch die Art der Dachkonstruktion ist für den Preis maßgebend. Wenn die Spannweiten nicht so groß ist (bis ca. 8m) wird es günstiger. Je weiter ein Dach gespannt werden muss, umso komplexer die Konstruktion und umso teurer wird es. Eine tragende Innenwand im Dachraum kann helfen die Spannweite zu reduzieren und den Dachstuhl wirtschaftlicher zu machen.

Neben den traditionellen Zimmermannskonstruktionen gibt es heute auch noch weitere vorgefertigte Dachkonstruktions-Arten, bei denen Holz eingespart wird und die Verbindungen einfacher zum herstellen sind. ZB: Nagelbinderkonstruktionen und Holzrahmenelemente. Wird der Dachraum z.B. nicht genutzt, dann kann eine günstige Nagelbinderkonstruktion gewählt werden.

Verschiedene Dachkonstruktionen
Dachkonstruktionen: Sparrendach, Kehlbalkendach, Stehendes Dach, Nagelbinderkonstruktion

Weitere Bauteile

In der Rubrik Bauteile findest du wichtige Hintergrundinformationen zB. zu den Themen: Gründung, Wandaufbau, Fußbodenaufbau und Heizsystem

 

Fotos und Bilder: baugorilla

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