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Fassadendämmung im Altbau – hier bekommst du Hintergrundinfos zur Außenwanddämmung, wichtige Ausführungshinweise, möglichen Dämmmaterialien, Dämmung von unterschiedlichen Altbau-Typen, und die Vor- und Nachteile zur Innendämmung.

Soll ein Altbau thermisch saniert werden werden, lohnt sich zunächst mal der Blick auf die Außenwanddämmung. Denn die Dämmung der Außenwände hat meist den größten Effekt auf die Heizkosten, da die Fassade idR. den größten Flächenanteil an der Gebäudehülle hat.

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Ausführung der Außenwanddämmung

Wärmedämmverbundsystem

Die nachträgliche außenliegende Wärmedämmung wird meist in Form eines Wärmedämmverbundsystems (WDVS auch Vollwärmeschutz genannt) realisiert. Der Aufbau ist üblicherweise wie folgt:

  • Die Fassadendämmplatten werden direkt auf die bestehende Fassade geklebt und gedübelt.
  • Darüber kommt ein Armierungsgewebe, der neue Außenputz und Anstrich.

Aufdoppelung auf bereits gedämmte Fassade

Wenn bereits ein bestehender Vollwärmeschutz vorhanden ist kann das neue WDVS oft einfach direkt auf die bestehende gedämmte Fassade aufgedoppelt werden. Das neue WDVS sollte in diesem Fall jedoch ausdrücklich für die WDVS-Sanierung zugelassen sein. Zuvor ist die Festigkeit des bestehenden WDVS zu prüfen, eventuell ist eine Nachverdübelung nötig. Welcher neue Dämmstoff in diesem Fall am besten geeignet ist, hängt auch vom bestehenden Dämmstoff ab und sollte durch Planer geprüft werden.

Die Qualität der Fassadendämmung

Um die Qualität der Fassadendämmung zu gewährleisten dürfen einerseits nur geprüfte und zugelassene Gesamtsysteme eingesetzt werden und andererseits ist auch die ordnungsgemäße Bauausführung sicher zu stellen.

In Deutschland muss die ausführende Fachfirma den Auftraggebern dafür einen Übereinstimmungsnachweis übergeben. Dieser ist wichtig, falls es zu Mängel kommt Gewährleistungsansprüche gestellt werden.

In Österreich wird empfohlen „Verarbeitungsrichtlinien für Wärmedämmverbundsysteme“ von der Qualitätsgruppe Wärmedämmsysteme einzuhalten.

Algen auf der Fassade vermeiden: Einen hässlicher Algenbewuchs am neu gedämmten Haus möchte wohl kaum jemand. Um einer Veralgung der gedämmten Fassade vorzubeugen sollte besonders auf die Qualität des Gewebes und des Außenputzes geachtet werden. Ein guter und „dickerer“ Außenputz mit hoher Wärmespeicherkapazität und besserem Feuchteausgleichvermögen ist hier sinnvoll (zB. ein Dickputz oder ein Dünnputz mit 3 mal Spachtelungen). Zusätzlich ist natürlich auch ein ausreichender Dachüberstand sehr hilfreich. Außerdem gibt es spezielle Farben welche die Algenbildung ebenfalls reduzieren sollen.

Dämmung bei Vorgehängte Fassade mit und ohnen Hinterlüftung

Eine Alternative zum Wärmedämmverbunsystem ist die gedämmte, hinterlüftete Fassade. Dabei werden an der tragenden Hauswand Unterkonstruktionen, Dämmstoff, Winddichtung angebracht. Danach wird die vorgehängte Fassadenbekleidung mit speziellen tragfähigen Befestiungen anmoniert. Eine ca. 4 -6cm dicke Luftschichte zur Fassadenbekleidung wirkt günstig: eventuell auftretende Feuchtigkeit kann abtransportiert werden und es gibt weniger Probleme mit sommerliche Überwärmung. Dieser Aufbau kommt zum Beispiel auch bei Backstein- oder Klinker-Fassaden zum Einsatz.

Planungshinweise zur Außenwanddämmung

Wärmebrücke vermeiden: Die Dämmschicht soll möglichst lückenlos um das Gebäude verlegt werden. Unterbrechungen und Schwachstellen innerhalb der Dämmschicht sind zu vermeiden. Denn in diesen Bereichen kann es rauminnenseitig zu „kalten“ Oberflächen kommen, an denen Feuchtigkeit kondesieren und sich Schimmel bilden kann. Kritische Bereiche sind z.B. auskragende Balkonplatten, der Sockelbereich, Fenster- und Türen-anschlüsse, Befestigungen etc.. Zur Kontrolle kann nach der Fertigstellung eine Bauthermographie durchgeführt werden.

Dachüberstand: Der Dachüberstand wird bei einer nachträglichen Fassadendämmung üblicherweise verkürzt. Ein ausreichender Dachüberstand ist allerdings sehr empfehlenswert, er schützt die Fassade vor Feuchtigkeit und ist im Sommer ein hervorragender Hitzeschutz. Wird der Dachüberstand durch die Dämmung zu kurz muss er verlängert werden. Es fallen zusätzliche Kosten an, außerdem sind Mindestabstände zu berücksichtigen und die Verlängerung ist idR. Genehmigungspflichtig.

Sockelbereich: Auch im Sockelbereich muss die Fassadendämmung gut mit der Fußbodendämmung abgestimmt sein. Je nachdem wo das erste beheitzte und gedämmte Geschoß liegt, muss die Sockeldämmung so ausgeführt werden, dass es zu keinen Wärmebrücken kommt und ggf. bis unter die Geländeoberkannte geführt werden.

Fenstertausch: gemeinsam mit der Fassadendämmung im Altbau kann auch ein Fenstertausch sinnvoll sein. Fenstertausch und Fassadendämmung sind jedenfalls aufeinander aubzustimmen. Die Dämmebene muss in einem durchgehen, gerade auch im Anschlussbereich an die Fenster.

Feuchte Bauteile: Die Dämmung darf nicht einfach über feuchtes Mauerwerk gelegt werden! Sind Bauteile feucht so sollten Expert*innen zu Rate gezogen werden, die zunächst die Ursachen abklären und dann das weitere Vorgehen festlegen.

Gesamtsanierungskonzept: Um ein Gebäude thermisch zu sanieren (im Idealfall hin zu einem Niedrigstenergiehaus) sollte stets ein Gesamtsanierungskonzept aufgestellt werden. Denn so können die einzelnen Maßnahmen optimal aufeinander abzustimmt werden. Der Energieausweis dient dabei als Planungsinstrument.

Vorab zu klären: Ob eine Baugenehmigung vorliegen muss oder ob die Maßnahmen nur anzeigepflichtig sind muss vorab mit der zuständigen Behörde abgeklärte werden. Auch Mindestabstände zu den Grundstücksgrenzen und zu Nachbarbebauungen sind einzuhalten. Ebenfalls sind mögliche Förderungen im Voraus auzuklären und eventuell auch schon im vorraus zu beantragen.

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Außenwanddämmung Materialwahl

Bei der Wahl des Dämmmaterials sollten neben den Investitionskosten auch Eigenschaften wie Verhalten im Brandfall, Verhalten bei Wasserschäden, Robustheit, Lebensdauer und Ressourcenschonung mitüberlegt werden. Schließlich ist es eine Investition für Jahrzehnte, oder im Idealfall sogar für Generationen.

  • Synthetische Dämmstoffe Wärmedämmverbundsysteme aus EPS sind weit verbreitet, da sie günstig sind und gute Dämmeigenschaften aufweisen. EPS ist die Abkürzung für Expandiertes Polystyrol und ist umgangssprchlich auch bekannt als Styropor.
  • Nachwachsende Dämmstoffe wie zum Beispiel Holzfaser-Dämmplatten haben idR. eine bessere Ökobilanz, hier ist es jedoch wichtig auf das Umweltzeichen zu achten. Sie sind diffusionsoffen und ermöglichen dadurch den Außenwänden bei Feuchtigkeit ein schnelleres ausdrocken.
  • Mineralische Dämmstoffe wie zum Beispeil Mineralfaser- und Mineralschaum-platten sind nicht brennbar. Mineralschaumplatten bilden außerdem eine harte Wandschale und sind diffusionsoffen (können bei Wasserschäden leichter austrocknen) und weisen auch eine gute Ökobilanz auf.

Im Sockelbereich und bei erdberührten Außenwänden sind spezielle feuchteresistente Dämmplatten zu verwenden z.B. XPS oder Schaumglas.

Eine genaue Beschreibung der verschiedenen Dämmmaterialien mit ihren Vor- und Nachteilen sowie deren Kosten findest du hier.

Außendämmung von Fachwerkhäusern

Alte Fachwerkhäuser sind wunderschöne Baudenkmäler und stehen auch oft unter Denkmalschutz. So charmant die Häuser auch sind, die Außenwände sind meist sehr dünn (10-16cm), Wärmedämmung und Schallschutz sind dementsprechend schlecht. Eine zusätzliche Wärmedämmung ist also oft erwünscht.

Bei Fachwerkhäusern stellt sich zunächst immer die Frage ob die Fassade erhalten bleiben soll oder nicht. Wenn ja, dann kommt ohnehin nur eine innenliegende Wärmedämmung in Frage.

Wenn das Fachwerkhaus mit einer außenliegenden Wärmedämmung versehen werden soll, ist auf die richtige Materialwahl und die Ausführung ganz besonders zu achten. Das Dämmmaterial soll Wasser aufnehmen können um es vom Holz wegzuführen und diffusionsoffen sein damit die anfallende Feuchtigkeit schnell wieder austrocknen kann. Ein Schutz vor einer zu hohen Schlagregenbelastung ist ebenfalls vorteilhaft. Als Dämmmaterialien sind Naturmaterialien besonders geeignet, sie besitzen oft die geforderten Eigenschaften und passen auch gut zu der hochwertigen vorhandenen Bausubstanz. Zum Beispiel können Holzweichfaserplatten verbaut werden.

Fassadendämmung von Gründerzeithäusern

Stadthäuser der Jahrhundertwende (1880-1920, auch Gründerzeitbauten genannt) sind massive Bauten mit dicken Außenwänden (40-65cm), hohen Raumhöhen und großzügigen Grundrissen. Häufig sind sie nicht freistehend, sondern bilden mit anderen Stadthäusern gemeinsam einen Ring um einen geschützten innenliegenden Garten oder Innenhof. Schallschutz und Wärmeschutz sind bei diesen Häusern meist relativ gut. Die dicken Mauern ergeben gemeinsam mit der kompakten Form und Anordnung der Häuser um einen geschützten Innenhof einen relativ moderaten Heizwärmebedarf obwohl sie ungedämmt sind. Auch die Fenster (oft Kastenfenster mit Doppelrahmen) sind sehr hochwertig und haben relativ gute Wärmedämm- und Schallschutz-Eigenschaften.

Bei vielen solcher Häuser ist eine nachträgliche außenliegende Wärmedämmung gar nicht zulässig, weil das Haus zB. unter Denkmalschutz steht oder die Altstadt erhalten bleiben soll. Aber auch wenn eine Veränderung der Fassade zulässig ist muss die Sinnhaftigkeit solcher Maßnahmen genau abgewogen werden. Wer sich für eine Fassadendämmung beim Jahrhundertwendehaus entscheidet, sollte darauf achten, dass die vielen positiven Eigenschaften nicht durch eine minderwertige, nachträgliche Dämmung verschlechtert werden. Es sollten nur hochwertige Dämmmaterialien verbaut werden und Punkte wie Langlebigkeit und Brandschutz berücksichtigt werden.

Zwischenkriegsbauten

Ein Altbau der Zwischenkriegszeit ab 1920 bis 1930 hat meist eine schlechtere Qualität als die Häuser der Jahrhundertwende. Die Häuser wurden günstig gebaut und es wurde an Material gespart. Die Räume sind niedriger, die Grundrisse kleiner, die Außenwände relativ dünnen (ab 25cm). Ein solches Haus entspricht in vielen Punkten nicht mehr den heutigen Erwartungen, auch nicht punkto Wärmeschutz. Bei einem solchen Altbau sollte zunächst durchgerechnet werden, ob eine Modernisierung wirklich sinnvoll ist. Denn neben der kompletten Modernisierung der Fassade sind oft auch noch viele weiteren Maßnahmen nötig. Zum Beispiel die Erneuerung der Fenster, eventuell müssen Zwischendecken statisch verstärkt werden und relativ kleine Wohnung durch Zubauten vergrößert werden. Der Abriss und Neubau kann in manchen Fällen sinnvoller sein.

Soll das Zwischenkriegs-Haus modernisiert werden, und für viele weitere Jahrzehnte genutzt werden, dann wird ein außenliegender Vollwärmeschutz sicher die geeingete Lösung darstellen. Um Feuchteprobleme und Schimmel vorzubeugen ist auf die Planungshinweise oben zu achten.

Nachkriegsbauten – Außenwanddämmung erneuern

Häuser der Nachkriegszeit ab den 60er Jahren besitzen oft bereits ein außenliegendes Wärmedämmverbundsystem. Solche Häuser wird man auch wieder mit einem Wärmedämmverbundsystem sanieren. Während in den 60er Jahren die Häuser meist mit sehr dünnen (5-8cm) EPS-Platten (Styropor) gedämmt wurden, verwendet man heute weit dickere Dämmschichten (ca. 15-20cm) und auch die Materialwahl ist breiter geworden.

Wenn es im alten Haus Feuchtigkeits- und Schimmelprobleme gab, muss nach den Ursachen gesucht werden; dabei sind viele Gründe denkbar. Zum Beispiel könnte es an Problemen im Sockelbereich liegen oder an anderen Wärmebrücken. Auch außenliegenden dampfdichte Schichten und Anstriche können Probleme verursachen indem sie das Austrocknen der Außenwand verhindern oder verlangsamen. In letzterem Fall wären diffusionsoffene Dämmmaterialien und Anstriche ein guter Lösungsansatz. Auch der Brandschutz kann durch die Materialwahl des Dämmstoffes verbessert werden.

Wenn es bisher keine Probleme mit Feuchtigkeit und Schimmel gab, dann ist auch eine günstigere Lösung denkbar. Neue EPS-Platten können auf die vorhanden draufgeklebt werden, dadurch entfällt die Entsorgung.

Außen- vs. Innenwanddämmung

Die Außenwanddämmung hat gegenüber der Innenwanddämmung klare bauphysikalische Vorteile. Doch es gibt bestimmten Umständen unter denen eine Innenwanddämmung besser geeignet ist:

Vorteile der Außenwanddämmung

  • Bei der Außenwanddämmung sind alle tragenden Außenwände und Zwischendecken warm eingepackt. Es gibt daher kaum Wärmebrücken im Gegensatz zur Innenwanddämmung.
  • Auch innerhalb des Wandaufbaus kommt es weniger leicht zu Tauwasserbildung/ Kondensat. Die Außenwanddämmung ist somit weit weniger kritisch in Bezug auf Feuchteschäden wie Schimmel als die Innendämmung.
  • Auch alle Wasserleitungen in den Außenwänden sind vor Frost geschützt.

Nachteile der Außenwanddämmung

  • Das äußere Erscheinungsbild des Hauses verändert sich durch die außenliegende Dämmschicht grundsätzlich. Die Lage der Fenster in der Außenwand und auch der Übergang zum Dach und der Dachüberstand verändern sich oder führen zu weiteren Baumaßnahmen. Vor allem bei kleineren Fenstern kommt durch die nun viel dickeren Außenwände weniger Licht ins Innere der Wohnung.
  • Die Abstände zu den Grundstücksgrenzen und zur Nachbarbebauungen reduzieren sich.

In den meisten Fällen ist daher eine Außendämmung gegenüber der Innendämmung klar zu bevorzugen. Die Ausnahmen sind: wenn eine Fassade erhalten werden soll (zum Beispiel bei denkmalgeschützten Gebäuden) oder wenn es sich um ein Ferienhaus handelt, das zügig aufgeheizt werden muss. Mehr dazu im Beitrag zur Innenwanddämmung.

 

Autorin: K. R.

 
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