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Wie und mit wem willst du dein zukünftiges Haus bauen? Es gibt viele Möglichkeiten, hier siehst du alle Vor- und Nachteile im Überblick.

Es ist eine sehr grundlegende Entscheidung ob du dein Haus selber bauen willst, ein Architektenhaus, mit einem Generalunternehmen oder doch lieber ein Fertighaus bauen möchtest. Die verschiedenen Möglichkeiten sind untenstehend genau beschrieben. Hier erfährst du die Vor- und Nachteile und findest heraus wie du dein eigenes Haus bauen willst.

Haus selber bauen vs. Fertighaus vs. Architektenhaus vs. Generalunternehmen
Haus selber bauen vs. Fertighaus vs. Architektenhaus vs. Generalunternehmen

Fertighaus (Schlüsselfertig)

Vorteile:

  • Professionelle Ausführung vom Anfang bis zum Ende – Hier muss der Bauherr/die Bauherrin am wenigsten selbst erledigen. Wenig Eigeninitiative und Eigenleistung ist erforderlich
  • Geringere Baunebenkosten (Honorare können eingespart werden)
  • Preisgarantie für das bestellte Haus – Risiko besteht nur für die Erd- und Gründungsarbeiten
  • kurze Bauzeit

Nachteile:

  • keine Individuelle Planung – bzw. nur geringfügig unter Extrakosten möglich
  • Bei höherer Ausführungsqualität wird es teuer: z.B. Qualität für Fenster, Bodenbeläge, Wand-/Deckenausführung etc. Kosten sparendes und optimiertes Bauen ist somit nicht möglich, wenn eine bestimmte Qualität erreicht werden soll

Vorgehen und was du selbst tun musst:

Nachdem du ein Grundstück gekauft hast und dich für einen Fertighaus-Typen entschieden hast, übernimmt der Fertighaus-Anbieter das meiste. Er wird bei der Baugenehigung helfen und dir auch Partnerfirmen für die Gründung und Erdarbeiten vorschlagen. So wirst du über die gesamte Bauzeit begleitet und brauchst wenig selbst erledigen.

Kostenbeispiel - Fertighaus (130m² Wohnfläche, Errichtungskosten rund 290.000Euro):
Die gesamten Errichtungskosten für das Projekt liegen natürlich weit über dem Fertighaus Katalogpreis, und bestehen auch hier aus den Baukosten und den Hausbau Nebenkosten (siehe dazu auch den Artikel Was kostet ein Hausbau). Selbst für die Fertighaus Baukosten kann nicht einfach der Katalogpreis eingesetzt werden. Im unten angeführten Beispiel müsste der Wert mit dem Faktor 1,3 erhöht werden:

Fertighaus Baukosten ca. 265.000Euro (Katalogpreis: 200.000Euro x 1,3)

  • Fertighaus für ca. 130m² Wohnfläche (Schlüsselfertig): 200.000Euro laut Prospekt
  • Bodenplatte und Erdarbeiten: 32.000Euro
  • Küche: 8.000Euro
  • Außenanlagen: 7.000Euro
  • Aufpreis für Holz-Alufenster anstelle von Kunststofffenster: 6000Euro
  • Rollläden: 6000Euro
  • Aufpreis für Innenausbauqualität (Sanitäreinrichtungen, Fliesen, Böden….) 6000Euro

Fertighaus Nebenkosten ca. 25.000Euro

Für die Fertighaus Nebebenkosten werden hier rund 10% der Baukosten angesetzt (Finanzierung 4% und Reserve 6% – da das Risiko für den Bauherren geringer ist wird hier die Reserve relativ niedrig angesetzt).

Architektenhaus

Vorteile:

  • Individuelle Planung – Einfluss auf alle Kostenpunkte – kostengünstige und intelligente Planung kann gut umgesetzt werden.
  • Professionelle Begleitung vom Anfang bis zum Ende – Planung, Baugenehmigung, Ausschreibungsverfahren, Koordination, Bauüberwachung, Kontrolle der Leistungen und Rechnungen, dadurch wird das Risiko, dass etwas schief geht geringer. Wenig Eigeninitiative und Eigenleistung ist erforderlich.

Nachteile:

  • Höhere Baunebenkosten (Architektenhonorare 15-20% der Bausumme)
  • keine Preisgarantie, Mehrkosten muss der Bauherr zahlen – abhängig von der Fähigkeit des Architekten

Vorgehen und was Sie selbst tun müssen:

Einen Architekten kannst du engagieren sobald ein Grundstück gekaft wurde, oder sogar schon davor. Er wird dich in jedem Projekt-Stadium professionell begleiten. Er wird das Baugenehigungsverfahren einleiten, die Ausschreibung für die Firmen machen, die beste Firma auswählen und die örtliche Bauaufsicht (Baustellenkontrolle) übernehmen. Hier kannst du mehr zum Thema: den richtigen Architekten finden lesen. Wenn du mit einem Architekten baust, empfiehlt es sich ein Erfolgshonorar für besonders preiswertes Bauen zu vereinbaren.

Kostenbeispiel - Architektenhaus (130m² Wohnfläche, Errichtungskosten rund 282.000Euro):
Die gesamten Kosten für das Projekt können wie im Artikel Was kostet ein Hausbau beschrieben abgeschätzt werden. Die gesamten Errichtungskosten (Baukosten und Baunebenkosten) betragen in diesem Beispiel rund 282.000Euro (215.000Euro + 67.000Euro).

Kosten Architektenhaus: 1650 * 130 = 215.000Euro

Annahme: 130m² Wohnhaus für 1650€/m² (intelligent und gut geplant)

Baunebenkosten Architektenhaus (31% der Baukosten) 67.000Euro

Die Baunebenkosten setzen sich bei diesem Beispiel wie folgt zusammen: Architektenhonorar rund 17%, Finanzierung 4%, Reserve 10%.

Generalunternehmen-Hausbau

Vorteile:

  • Individuelle Planung – Einfluss auf alle Kostenpunkte – kostengünstig und intelligent Planen kann gut umgesetzt werden.
  • Geringere Baunebenkosten (Honorare können eingespart werden, da das GU nur noch die Detailplanung machen muss, den Rest übernimmst du selbst)
  • Preisgarantie für alles was in der Baubeschreibung (im Bauvertrag) steht. Achtung: bei fehlerhafter oder vollständiger Baubeschreibung kann es auch beim Pauschalvertrag zu Mehrkosten kommen.

Nachteile:

Vorgehen und was du selbst tun musst:

  1. Grundstück kaufen
  2. Haus planen (Lage am Grundstück, Grundrisse, Ansichten, Wandaufbauten, Deckenaufbauten…)
  3. Baugenehigung – du brauchst nun jemanden der die Unterlagen für den Bauantrag erstellt. Diese Unterlagen kannst du für rund 1% der Baukosten erstellen lassen (wenn die Planung bereits abgeschlossen ist).
  4. Baufirma/ein Generalunternehmen finden – nach dem die Baugenehigung erteilt wurde geht es an die Ausschreibung und Vergabe. Dafür ist es wichtig eine vollständige und korrekte Baubeschreibung zu erstellen. Die dann an mehrere gute und erfahrene Baufirmen geschickt wird um Pauschalangebote einzuholen. Wenn du dich für ein Angebot entschieden hast wird der Bauvertrag abgeschlossen.
  5. Baustellenaufsicht – während des gesamten Baus solltest du die Baustelle täglich besuchen. Sprich mit den Arbeitern, fotografiere und dokumentiere den Baufortschritt, und informiere dich über alle Arbeitsschritte. Nur so können Mängel schnell entdeckt und behoben werden. Zusätzlich zur eigenen Baustellen-Kontrolle kannst du auch einen unabhängigen Bau-Sachverständigen für einzelne Kontroll-Termine engagieren (zB. hier oder hier).

Diese Variante kann mit guter Planung günstiger sein als die beiden oben genannten (Architektenhaus und Fertighaus). Dafür ist jedoch mit viel mehr Eigeninitiative und Zeitaufwand zu rechnen.

Kostenbeispiel – Generalunternehmen-Hausbau (130m² Wohnfläche, Errichtungskosten rund 270.000Euro):
Die gesamten Kosten für das Projekt können wie im Artikel Was kostet ein Hausbau beschrieben abgeschätzt werden. Der Anteil der gesamten Errichtungskosten (der Baukosten und der Hausbau Nebenkosten) beträgt hier rund 269.000Euro (215.000Euro + 54.000Euro).

Baukosten: 1650 * 130 = 215.000Euro

Annahme: 130m² Einfamilienhaus kostenbewußt geplant für 1650€/m²

Baunebenkosten:  (25% der Baukosten) 54.000Euro

Die Baunebenkosten wurden hier wie folgt abgeschätzt: Planungskosten der Baufirma sind im Pauschalangebot enthalten und werden hier mit rund 10% der Baukosten angenommen, sonstige zusätzliche Honorare 1%, Finanzierung 4%, Reserve 10%.

Haus selber bauen

Hier seien alle Varianten beschrieben bei denen einzelne Gewerke beauftragt werden (z.B. eine Firma für Erdarbeiten und Fundament; die Mauern werden selbst aufgebaut, eine andere Firma für die Fenstern und Türen etc.). Alles selber planen und einzeln zu beauftragen war früher gang und gebe. Grundsätzlich spricht auch heute nichts dagegen wenn du viel Zeit und Knowhow mitbringst (es ist jedoch viel riskanter als alle oben genannten Arten des Bauens).

Vorteile:

  • Individuelle Planung – Einfluss auf alle Kostenpunkte – kostengünstig und intelligent Planen kann gut umgesetzt werden.
  • Geringere Baunebenkosten (Honorare können eingespart werden)
  • Geringere Baukosten (Wenn einiges in Eigenleistung erfüllt wird, bzw. von Freunden und Bekannten erledigt wird)

Nachteile:

  • Erhebliche Eigeninitiative und Eigenleistungen sind erforderlich
  • Viel Zeit- und Organisationsaufwand ist erforderlich
  • Längere Bauzeiten – durch die Koordination der unterschiedlichen Gewerke und weil eventuell auch weniger Arbeiter gleichzeitig am Bau sind
  • Fachwissen muss vorhanden sein – es fehlt ein kompetenter Partner, es ist an alles selbst zu denken und alles selbst zu organisieren. Damit erhöht sich auch das Risiko, dass etwas übersehen wird oder schiefgeht
  • keine Preisgarantie – Risiko ist am höchsten
  • keine Gewehrleistung für Arbeiten die in Eigenregie gemacht werden

Vorgehen und was Sie selbst tun müssen:

Sie organisieren alles selbst: Planung, Baugenehigung, Firmensuche (Ausschreibung), Koordination, Baustellenkontrolle, Abnahmen etc. Und natürlich auch die geplanten Eigenleistungen. Gewisse Planungsunterlagen müssen Sie dennoch in Auftrag geben z.B.: müssen Sie die Unterlagen für den Bauantrag erstellen lassen (rund 1% der Baukosten). Weiter können auch Vermessungen, geologische Gutachten und statische Berechnungen erforderlich werden.

Kostenbeispiel – Haus Selber Bauen (130m² Wohnfläche, Errichtungskosten rund 260.000Euro):
Die gesamten Kosten für das Projekt können wie im Artikel Was kostet ein Hausbau beschrieben abgeschätzt werden. Der Anteil der gesamten Errichtungskosten (der Baukosten und der Hausbau Nebenkosten) beträgt bei diesem Beispiel rund 258.000Euro (215.000Euro + 43.000Euro).

Baukosten: 1650 * 130 = 215.000Euro

Annahme: 130m² Wohnhaus für 1650€/m²

Baunebenkosten (20% der Baukosten) 43.000Euro

Wenn du dein Haus selber bauen möchtest, werden die Baunebenkosten hier wie folgt abgeschätzt: diverse zusätzliche Honorare 1%, Finanzierung 4%, Reserve 15% (die Reserve wurde hier höher angesetzt da das Risiko, dass nicht alles nach nach Plan läuft viel höher ist).

Zusammenfassung und Entscheidungsfindung

Die oben genannten Kostenbeispiele sollen eine Relation wiedergeben. Je mehr der Bauherr abgenommen bekommt, desto tiefer muss er in die Tasche greifen. Oder anders formuliert, je mehr Zeit und Eigeninitiative ein Bauherr investiert, desto mehr kann er sparen:

  • Fertighaus, Architektenhaus rund 290.000Euro Errichtungskosten (der Bauherr muss am wenigsten Zeit investieren)
  • Generalunternehmen rund 270.000Euro Errichtungskosten
  • Selber Bauen rund 260.000Euro Errichtungskosten

Frag auch in deinem Bekanntenkreis nach, welche Erfahrungen gibt es hier mit Architekten, mit einer Baufirma oder mit einem Fertighausunternehmen? Weiters gibt es natürlich auch Mischausführungen: z.B. Fertighaus als Rohbau und Rest selber bauen; oder Planung und Ausschreibung von Architekten und Bauüberwachung selbst. Kosten, Risiko und erforderlicher Zeitaufwand/Eigeninitiative verschieben sich dadurch.

 

Foto: pixabay.com

 
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